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Presseerklärung: Linksjugend ['solid] entsetzt über Platzecks Geschichtsbild (03.11.2009) PDF Drucken E-Mail

In seinem Essay zeichnet Platzeck eine Version der Nachkriegsgeschichte, die eine unerträgliche Verkehrung des Täter-Opfer-Verhältnisses betreibt. Dabei bezeichnet er die sogenannte "Versöhnungspolitik" und die Vergangenheitsbewältigung der BRD tatsächlich als gelungen und rechnet dies positiv der Entlastung und Freisprechung von Waffen-SS-Mitgliedern durch Kurt Schumacher an. Dabei zeichnet er ein realitätsfremdes Szenario, in dem Nazis und Mitglieder der Waffen-SS gesellschaftlich ausgegrenzt worden seien.

"Es ist eine verquere Sicht auf die deutsche Nachkriegsgesellschaft, zu behaupten, Nazi-Täter wie die Angehörigen der Waffen-SS seien jemals, geschweige denn 'dauerhaft ausgegrenzt' worden. Die Deutschen grenzten sich eben nicht gegenseitig aus. Vielmehr unterschrieben sie sich ihre 'Persilscheine', und seufzten 'Davon haben wir nichts gewusst'." widerspricht Thomas Popp, Sprecher der Linksjugend ['solid] Brandenburg.

Ausgrenzung gegenüber sahen sich vielmehr überlebende Opfer der NS-Diktatur und all jene, die es wagten, die Mehrzahl der Deutschen an ihre Verbrechen zu erinnern, während dagegen führende Vertreter des „Dritten Reichs“ bald wieder in Amt und Würden waren. Von "Überlebenden" spricht Platzeck ebenfalls. Er meint damit jedoch die 900.000 Mitglieder der Waffen-SS, wobei sich die Frage stellt, was sie denn überlebt haben: Die von ihnen verübten Massaker in Oradour-sur-Glane und bei Babi Jar, den Wachdienst in den Konzentrations- und Vernichtungslagern oder die Massenmorde der Einsatzgruppen?

"Von einer solchen Verdrehung der Realität, in der Nazi-Kriegsverbrecher zu armen ausgestoßenen 'Überlebenden' verklärt werden und in der die zum großen Teil gescheiterte Verfolgung von SS-Verbrechern in der BRD bejubelt wird, kann einem nur Angst und Bange werden." stellt Claudia Fortunato, Landessprecherin von Linksjugend ['solid], fest.

Vor dem Hintergrund dieses gruseligen Geschichtsbildes fällt die Unsinnigkeit der eigentlichen Textintention kaum mehr ins Gewicht, nämlich die Gleichsetzung der Partei DIE LINKE mit der SED sowie die Gleichsetzung der SED mit den Verbrechern des Nationalsozialismus, wobei DIE LINKE zur Waffen-SS der rot-roten-Koalition erklärt wird.

Die Linksjugend ['solid] fordert Matthias Platzeck dazu auf, seine geschichtsverzerrenden Äußerungen, die aus Tätern Opfer machen, zurückzunehmen. Die Verharmlosung der Verbrecher des Dritten Reichs und eine Glorifizierung der mangehalften Strafverfolgung dieser ist empörend.

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